"Höhenflüge"

Im September 2002 war an der Space-Front etwas Ruhe eingekehrt, welche ich auch brauchen konnte, um einmal über den Weg nach oben nachzudenken. Ein guter Bekannter, Thomas Beeking aus Oberhausen, den ich schon länger über das Internet kannte, als auch persönlich, schrieb mir eine e-Mail mit folgendem Betreff: "Musik für Dich".

Und was daraus dann entstanden ist, möchte ich Ihnen hier erzählen.

Zunächst dachte ich, es wäre eine Mail, in der Thomas mich auf ein paar "spacige Musikstücke" hinweisen wolle und überlas sie, ehrlich gesagt. Ein oder zwei Tage später kramte ich sie wieder aus meinem Outlook-Ordner hervor und las sie erneut, und stutzte, denn der Inhalt ging nicht über "fremde" Musik für mich, sondern über eigene. Thomas hatte vor Jahren eine Pop-Band aus dem Ruhrpott namens "TACAT" rowdiemässig betreut und kümmerte sich um Auftritte, Licht Ton und sonstiges. Nach ein paar Jahren war die Gruppe jedoch wegen Streitigkeiten (jaja, es sind immer die Streitigkeiten, die gute Projekte zum scheitern verurteilen lassen, bevor sie richtig losgehen können) auseinandergebrochen, welches Thomas sehr getroffen hatte, hatte er doch Zeit und viel Mühe in diese Band gesteckt.

Er kenne jedoch noch den Sänger der damaligen Formation, Janni Karamouzis zimlich gut und neulich hätte er zu Janni gesagt, das er doch endlich mal wieder etwas Neues machen könnte, nämlich das, wovon er schon immer träumte, anständige Musik!. Thomas erzählte von meinem Projekt, zu den Sternen fliegen zu wollen, und es wäre doch mehr als passend, mir aus diesem Grunde ein Musikstück zu schreiben, welches ich mit meinen Tätigkeiten verbinden könne. So überlegte sich dann Janni, das er das wohl tun sollte und versuchte wohl in seinem Tonstudio, einen Song zu komponieren.

Nach 6 Wochen traf ich Thomas während der Eröffnung einer Ausstellung am Oberhausener CENTRO-Markt (Ausstellung Erlebnis Raumfahrt) durch Zufall wieder und er gab mir eine CD und meinte, ich solle sie mir mal anhören. Er würde mir nicht sagen, was er davon hielt um nicht voreingenommen zu sein, und somit nahm ich die CD mit nach Hause und hörte sie mir in aller Ruhe an. Das Stück trug den Titel "Take me to another Space" und war ein typisches Dancefloor-Stück. Als ich es hörte, gefiel es mir, ich dachte jedoch, das der weibliche Lead fehlte und sagte Thomas dann in einer e-Mail meine Einschätzung. Während dessen ich mit ihm so darüber telefonierte, kam mir ein Gedanken in den Kopf. Ich könnte diese CD doch schon mal vorsenden ins All! Hmm, dachte ich, ein schier unglaubliches Unterfangen, aber wenn ich es zumindest nicht so schnell selbst schaffen würde, dann könnte doch schon mal ein Teil von mir ins All. Ich besprach das mit Thomas, er erklärte mich für total durchgeknallt versprach aber, nach einer weiblichen Stimme im Internet zu forschen.

Zwei Wochen später war er fündig geworden im Frankfurter Raum. Franca Morgano (ich erinnerte mich sofort an Princess Leia von Star Wars, die mit Nachnamen Organa hiess) würde sich für das von mir benannte "Space Odyssey Project" interessieren, und Janni würde mit ihr Kontakt aufnehmen. So nahmen die Dinge ihren Lauf. Weihnachten kam, Neujahr und ich hörte nichts aus dem Hause Thomas Beeking. Gut Ding brauchte anscheinend gut Weil.

In der Zwischenzeit versuchte ich schon mal im vorab etwas möglich zu machen, was unmöglicher nicht zu sein schien: die CD zur Internationalen Raumstation ISS zu bringen. Ich telefonierte mir die Ohrläppchen wund mit meinen russischen Freunden und verbrachte mit Igor Rudyaev vom GCTC Stunden am Telefon. Eine der höchsten Telefonrechnungen aller Zeiten sammelte sich in diesen Monaten an, aber es war mir das wert.

Die Absicht war, das Yuri Malenchenko, mit dem ich in Sochi 2001 im Schwarzen Meer trainiert hatte während meines See-Trainings für Kosmonauten, sich mit meinem damaligen Zimmergenossen Edward T. Lu am 1. März 2003 mit dem amerikanischen Space Shuttle Atlantis in der STS-114 Mission als ISS-Besatzung 7 aufmachen würde, die ISS Besatzung 6 abzulösen. Und mit auf diese Reise sollte die CD als "Missions-Theme" gehen.

Nach langen Wochen der zähen Verhandlungen war klar: Die CD kann mitgehen. Bedingungen wurden gestellt. (und das nicht nur finanzielle, Sie verstehen. Umsonst ist nur die Luft, die wir atmen, und darüber können wir uns auch noch streiten). Sie müsse bis zum 09.02. in Moskau sein, damit sie im Bordgepäck von Yuri Malenchenko mit nach Houston gehen könne. Dann käme sie in Quarantäne, und aus diesem Grunde müsste ein genauer Zeitplan eingehalten werden. Jetzt hiess es, in die Hände gespuckt.

Janni und Franca verbrachten einen langen Samstag im Studio in Frankfurt (die CD wurde von mir produziert, weil alles schnell gehen musste) und es schien, als können wir den Termin halten. Ich kümmerte mich während der Produktion um das Booklet, das Design, das Logo und das Jewel-Case. Mein Tinten-Photokleckser vollbrachte dank HP-Technologie wahre Wunder, und der Tag kam näher, das die CD fertig sein musste, um den Termin noch zu halten. Wir beeilten uns und arbeiteten hart daran. Während der Produktionsphase war schon klar, das der Titel "Take me to another place" nicht mehr zu halten war, und in "Flyin´so high" umbenannt werden müsse.

Am 1. Februar tagsüber arbeite ich wie wild am Endlayout des Booklets und wartete auf ein positives Zeichen aus dem Hause Thomas Beeking. Gegen 11 Uhr bekam ich einen Anruf, das er mir das Stück als MP3 zusenden würde. Hier gab es noch einige Hürden zu nehmen von wegen e-mail und Technik, nach einer Stunde hörte ich das aufgepeppte Stück dann zum ersten Mal und dachte: Hey, mit Franca Morgano als weiblicher Lead hört sich das Stück schon viel besser an, und man hatte auch aus dem Grundsound einen anderen gemacht. Gar nicht mal so schlecht!

Gegen 13 Uhr am selben Nachmittag ging das Booklet in den Druck und Thomas versprach, das die CD am Montag da sei im Original, damit sie dann am Dienstag auf Reisen nach Russland gehen könne. Wir waren ganz schön im Zeitdruck, jedoch sah es ganz gut aus, aber: es kam anders, und mit diesem "anders" hatte niemand von uns gerechnet!