"Ein Traum verglüht über Texas - STS 107 Columbia"
Gegen 14 Uhr rappelte das Telefon, und Stefan Pisters rief an und meinte in seiner nordischen Art: "Sach mal, hast Du auch gehört? Die Columbia wird vermisst!"
Ich meinte: "Wie vermisst?" und musste zuerst überlegen, denn ich hatte wegen dem CD-Stress total vergessen, das sich der Space Shuttle Comlumbia auf einer 17 tägigen Forschungsmission im All befand, auf der auch eine Idee von mir drauf war: ein Bild des Space-Art Künstlers Michael Böhme (einige seiner Arbeiten finden Sie unter "Space Art - Michael Böhme").
Ich sagte zu Stefan: "Nie und nimmer. So zirka 7 Minuten gibt es während der Reentry-Phase einen totalen Black-Out, wenn sich das Shuttle mit 28.000 Stundenkilometern der Erdatmospähre nähert und seinen Ritt durch die Atmosphäre beginnt. Durch eine Feuerkugel aus ionisierendem Gas dringt kein Funkspruch oder Telemetriedaten heraus."
"Das weiss ich," meinte Stefan, "aber die sind seit 20 Minuten drüber über jenen 7 Minuten!".
Mein Handy rappelte zur gleichen Zeit und Thomas Beeking war am Apparat der nur einen Satz von sich gab: "Andreas, mach mal TV an und schau bei RTL!".
Ich schmiss den Höhrer auf die Gabel und rannte nach oben ins Wohnzimmer. Dort saß Astrid, vertieft in medizinische Bücher und ich machte den Fernseher an und schaltete auf RTL. Das erste was ich sah war Peter Klöppel, den Anchor-Man von den RTL-News.
Ich erinnerte mich an meinen Tag vor meiner Reise am 12.11.2001 nach Russland, selbiges Bild vor meinen Augen, mit Peter Klöppel. Aber, der Hintergrund der RTL-Sondersendung war ein ganz anderer: das Shuttle Comlumbia war verunglückt und man sah silbrig glänzende Streifen am Himmel. Dann zerbrach ein heller Punkt in mehrere Einzelteile und es war klar: Die Columbia war verloren, die Besatzungsmitglieder alle tot und man konnte den Rücksturtz der Trümmerteile zum Boden live auf dem Schirm mit ansehen. Ich konnte es kaum fassen.
Das was einige vorhergesagt hatten, war passiert. Nach der Challenger-Katastrophe im Februar 1986 war nun die nächste Weltraumkatastrophe perfekt. Und so komisch sich das jetzt anhörte: die Sache mit der CD "The Space Odyssey Project" war von einer Sekunde verschwunden. Nun würde die Raumfahrt brach liegen und keine Shuttles mehr zur Internationalen Raumstation ISS fliegen. Und somit war auch der Traum durch ein Unglück zerplatzt, ein Teil von mir zur ISS zu fliegen, um schon mal einen "Vorboten" im All zu haben. Hört sich sehr egoistisch an, aber wenn man wochenlang und monatelang ein solches Projekt plant, ist man am Ende seiner Träume angelangt. 7 Menschen hatten durch dieses Unglück ihr Leben verloren. Damit wurde wirklich auch jedem klar: Raumfahrt ist gefährlich! Und vor allen Dingen (obwohl viele das denken) ist Raumfahrt zwar alltäglich geworden in unserer Zeit, jedoch ist sie eine Technik, die viele Gefahren in sich birgt, wenn die Technik- oder auch der Mensch versagt.
Was blieb? Nur der Wunsch, das alles schnell vorrüber sein sollte. Man denkt in einer solchen Situation nicht daran, was passiert ist, sondern das es Dinge gibt, auf die man defintiv keinen Einfluss hat.
Es folgten einige Tage der Resignation. Alles auf was wir hingearbeitet hatten, war zunächst einmal auf Eis gelegt. Ich telefonierte sehr oft mit Igor Rudyaev vom GCTC um zu erfahren, wie sich die Katastrophe auf russischer Seite darstellte, und eins war klar. Nun hatten die Russen die Hauptlast zu tragen, um die ISS weiter zu versorgen. Ich wusste, das die bemannte Raumfahrt weiter gehen würde. Nach der Challenger-Katastrophe war über zweieinhalb Jahre Pause mit Flügen in den Weltraum.