Auf zur ISS!
Nach ungefähr 3 Wochen, Anfang März kristallisierte sich die Geschichte neu: Yuri Malenchenko und Edward T. Lu würden nicht mit dem Space Shuttle Atlantis zur ISS fliegen, sondern mit einer russischen Soyuz von Baikonur aus starten. Und ich bekam das Go, die CD mit auf diese Reise zu senden. Ich fühlte mich sehr geehrt, und auch tief betroffen und dachte zuerst daran, das Projekt zu stoppen. Zu tief saß die Katastrophe der Culumbia noch in den Knochen fest. Aber andererseits dachte ich: Unfälle müssen passieren, damit es nachher besser gemacht werden kann. Leider geht es immer nur auf die Kosten von Menschenleben, und das ist die negative Seite.
Die CD bekam ein neues Design verpasst, denn nun befand sich auf der Rückseite auch ein Memorial zum letzten Flug der Columbia. Ich dachte, auf dem ersten Flug nach der Katastrophe können wir einen kleinen Teil beitragen, die Männer und Frauen der Columbia eine letzte Ehre zu erweisen.
Am 3. April ging die CD auf die Reise nach Moskau, und ich verbrachte den ganzen Tag damit, den besten Weg zu finden, sie nach Moskau zu senden. Igor würde die CD Yuri übergeben in einer kleinen Zeremonie, und er würde sie in seinem Bordgepäck mit auf die Reise nehmen.
Es folgten einige Wochen der Spannung. Die CD war innerhalb von drei Tagen in Moskau, wurde dann jedoch am Zoll festgehalten, und Igor bekam sie nicht aus dem Zoll heraus. Aus Sicherheitsgründen erstellte ich noch ein Einzelstück, sogesehen den eineiigen Zwilling der CD, diese ging dann am Tag vor Karfreitag auf die Reise, in der Hoffnung, sie wäre am Montag da. Die Besatzung würde Ostersonntag (bei uns in Deutschland gemeint, Russland feierte Ostern eine Woche später) Star City verlassen und in Richtung Baikonur aufbrechen, um am Samstag den 26. April mit Soyuz-TMA2 zu starten.
Am Samstag vor Ostern erreichte mich dann eine Mail von Igor, das die erste CD nun doch angekommen sei. Er hätte sie Yuri mit auf den Weg gegeben, und somit waren wir im Zeitplan. Die zweite CD erreichte Moskau am Montag (Ostermontag bei uns) und blieb ebenso im Zoll stecken. Nun, es war wie in der richtigen Raumfahrt: jede Crew hat eine sogenannte BackUp-Crew. Somit hatte die CD "Flyin´ so high" auch eine BackUp CD.
Es war gut zu wissen, das die CD auf dem Weg nach Baikonur war. Nur würde sie tatsächlich auch fliegen?
Samstag, der 26. April 2003: Der Start war für 5.54 Uhr MESZ angesetzt. Ich überlegte mir noch, den Start im TV zu verfolgen, wusste jedoch nicht, ob irgendein Sender den Start übertragen würde. Normalerweise gehören Starts zum Alltagsgeschehen, nur Shuttle-Flüge werden von CNN übertragen, jedoch verhielt sich hier das Weltinteresse schon in eine andere Richtung: war es doch der erste bemannte Flug nach der Columbia-Katastrophe. Früh morgens am Samstag schlief ich ein.
Irgendetwas kitzelte mich an den Füssen morgens um halb sechs. Ich wurde wach und dachte, die Zeit ist günstig mal aufzustehen, und zu schauen, ob ich den Start im Fernsehen live miterleben würde. Und tatsächlich: CNN brachte eine Live-Reportage aus Baikonur, und pünktlich hob die Soyuz-Rakete mit ihrem Soyuz-Raumschiff mit meinen zwei Freunden ab. Nach zwei Minuten kam die Nachricht, das der Flug vollkommen normal verlief und ich atmete auf, als ich im Internet Minuten später erfuhr, das das Raumschiff sicher im Erdorbit angekommen war. Somit waren die ersten 400 Kilometer der langen Reise zurückgelegt worden.
Ich war ehrlichgesagt erleichtert, und alle anderen, die ihre Zeit in das Projekt gesetzt hatten auch. Ich hatte das Unmögliche möglich gemacht. Für mich war es auch wie die Besteigung des Mount Everest gewesen, und ich unterhielt mich die nachfolgenden Tage oft mit den Beteiligten am Projekt. Und wir waren logischerweise auch etwas stolz.
Nun begann das Warten auf die ersten Bilder aus dem All, aber das dauerte dann noch einige Monate. Ich musste ein Storybook schreiben, was mit der CD an Bord passieren sollte, welche Bilder gemacht werden sollen, auch sollte von Yuri ein Video gemacht werden.
Über Pfingsten flog ich nach Moskau, um mich mit Igor zu treffen. Dort machten wir die nächsten Schritte klar, und während meines Aufenthaltes zu weiteren Trainings Anfang September empfing mein alleingelassener Rechner zu Hause die ersten Bilder per e-Mail, die ich mir jedoch erst dann anschauen konnte, als ich nach dem 12. September wieder deutschen Boden unter den Füssen hatte.
Die Bilder versetzten mich in Erstaunen, zeigten sie doch als erstes das Konterfei von mir. Wieder war eine Idee, die zu Anfang im Jahr zuvor geboren worden war mit der e-Mail von Thomas Beeking "Musik für Dich" in die Realität umgesetzt worden, und meine Überlegungen, selber ins All zu fliegen erschien nicht mehr so weit entfernt zu sein.
Hätte man mich vor drei Jahren gefragt, ob ich mir vorstellen könnte selbst ins All zu fliegen, hätte ich gelacht und abgewinkt. "Vorstellen ja, aber ich glaube, ich habe wohl nicht die nötigen Kontakte".
Vorstellbar ist vieles, aber man kann vieles erreichen, wenn man den nötigen Mut zusammenfasst, die richtigen Ideen zur richtigen Zeit hat und auch Geduld aufweisen kann, denn solche Dinge entwickeln sich nicht von heute auf morgen.
"Wenn die Zeit nicht reif ist, kann nichts es geschehen lassen. Wenn die Zeit reif ist, wird nichts es aufhalten!".
... to be continued ...
Special Thanks to:
Astrid Möller, Anja Beeking, Igor Rudyaev, Yuri I. Malenchenko, Edward T. Lu,
Martina & Friedrich Hunold from "Hunolds-ID",
Thomas Kraus from "The German Space Shop"
all members of the launch complex Baikonur (Soyuz TMA-2), the men from Star City,
Andreas Rohlf ("Soli"), Nina & "Henry"