Erste Erinnerungen
Zu meinem Weg gehört logischerweise, das ich Ihnen kurz meine Geschichte erzähle, wieso ich in Gottes Namen so einen Weg gewählt habe. Dazu muss ich weit zurück gehen und Ihnen ein wenig aus meinem Leben erzählen. Damit lernen Sie mich besser kennen, und ich denke mal, auch dies wird meinem Weg sehr hilfreich sein - wenn Sie es wollen. Es ist Ihre alleinige Entscheidung. Also drehen wir einmal das Rad meiner Geschichte einige Jahrzehnte zurück in das Jahr 1965, genauer gesagt in den Februar.
Am 4. Februar 1965 erblickte ich das Licht der Welt. Ich kann mich zwar nicht recht daran erinnern, auf jeden Fall steht dies in meinem Pass und meiner Geburtsurkunde. Ich wurde in der Eifelstadt Mayen geboren, sie liegt 30 Kilometer entfernt von Koblenz - dort wo Rhein und Mosel zusammenfliessen - und nicht Konstanz am Bodensee. (Einige verwechseln diese geographische Genauigkeit).
Mein Vater war selbstständiger Schreinermeister und führte eine Schreinerei, meine Mutter war (ja ich weiss, hart, aber zu der Zeit war es halt nun mal so) Kürschnerin. Meine Geburt war ein langes Prozedere und auch nicht einfach, hatte meine Mutter vor mir drei Kinder verloren (Frühgeburten und durch plötzlichen Kindstod), und somit war es wohl so, daß der vierte Versuch wohl endlich zu klappen schien.
Ich entwickelte nach meinem ersten Geburtsjahr eine Krankheit, die sich "Kinderasthma" bezeichnet, und somit begann meine nicht gerade einfache Zeit in den ersten Lebensjahren. Auch stimmte etwas mit dem Blut nicht, die Anzahl der weissen Blutkörperchen war viel zu hoch, was jedoch darauf hinwies, das ich wohl irgendetwas ausbrütete.
Jeder von uns kann sich nicht genau an die ersten fünf Lebensjahre erinnern denke ich, nur sehr neblige Erinnerungsfetzen durchfluten das Gehirn. Wenn man Bilder von sich aus dieser Zeit sieht, fällt einem schon das eine oder andere ein, bestimmt jedoch nicht die Geburt an sich. Verhaltensforscher in der heutigen Zeit gehen davon aus, das man sämtliche Fähigkeiten in den ersten fünf Jahren seines Lebens entwickelt.
Die ersten Jahre waren geprägt durch Krankheit und meine Mutter war stets in Sorge um mich, welches ich heute verstehen kann. In den darauffolgenden Jahren hat sie mich jedoch auch ganz schön erdrückt mit ihrer Sorge, wie Sie sich ja vielleicht vorstellen können.
Ich habe, wie schon gesagt, nicht viel Erinnerung an die ersten vier Jahre, währe da nicht ein Ereignis gewesen, welches sich in meinem Kopf seitdem manifestiert hat: Der Wettlauf zum Mond. Damals als sehr junges Kind entdeckt man seine Welt, und hat bestimmt nicht im Kopf, zu den Sternen zu fliegen, da gibt es viel mehr zu entdecken. Jedoch am Abend des 20. Juli 1969 auf die Nacht zum 21. Juli 1969 entbrannte ein Streit zwischen meinem Vater und meiner Mutter (wie ich jedoch erst sehr viel später erfuhr), ob man mich in der Nacht wohl aufwecken sollte. Denn eines der grössten Ereignisse der Menschheit hatte am 16. Juli seinen Lauf genommen: Drei amerikanische Astronauten schickten sich an in Richtung Mond zu fliegen. Es waren die drei Astronauten Neil Armstrong, Edwin "Buzz" Aldrin und Michael Collins (Die Namen erfuhr ich erst einige Jahre später.
Mein Vater konnte sich wohl in der Diskussion gegenüber meiner Mutter durchsetzen, und somit wurde ich dann am 21. Juli um 3 Uhr geweckt, um an diesem Ereignis teilnehmen zu können, wie viele Millionen Menschen auf der Welt auch: Der Landung auf dem Mond.
Ich erinnere mich daran, das ich auf einem Sessel saß, eingequetscht in Kissen und Decken und zwei oder drei Meter vor mir stand das Schwarz-Weiß-TV-Gerät, über die Mattscheibe flimmerte die Landung, oder vielmehr das, was das deutsche Fernsehen von den Amerikanern zur Verfügung gestellt bekommen hatte. Viele von Ihnen kennen vielleicht noch den Namen des Moderators aus damaliger Zeit: Günther Siefart mit seinem Live-Berichterstatter Werner Büdeler, der sich zur gleichen Zeit in Houston Texas befand und über Satellitenleitung mit der Sendezentrale in Deutschland verbunden war.
Die Landung kam immer näher und die Anspannung steigerte sich. Ich sah nur Menschen, die sich auf einem Fernseher bewegten, jedoch wurde ich durch diese Bilder wach gehalten. Und dann, irgendwann sah ich im Fernsehen, das verschwommene Bild eines Astronauten, der sich anschickte die Landestufe an einer Leiter hinunter zu klettern um den ersten menschlichen Fussabdruck auf dem Mondboden zu hinterlassen. Um 3.47 Uhr mitteleuropäischer Zeit sprach dann Armstrong seinen berühmten Satz: It´s a small step for a man, but a giant leap for mankind.
Ich dachte nicht viel darüber nach, was soll man als Vierjähriger da auch schon viel denken, jedoch war ich live dabei (noch nicht in Farbe, die kam erst später, als Willi Brandt während der Funkausstellung den berühmten roten Knopf drückte), aber ich muss wohl in dieser Nacht die Bilder in mein Unterbewusstsein eingeschleust haben. Und da blieb es dann auch viele Jahre versteckt.
Mein Vater musste mir von dieser Zeit an andere Gutenacht-Geschichten erzählen: von tapferen Astronauten auf dem Mond und Geschichten von Sternen und Planeten. Er bemalte von Hand meine ganze Tapete im Zimmer, und bevor ich nachts einschlief, ließ ich meine Gedanken zwischen den gemalten Planeten und seinen Geschichten hin und her gleiten.