Das Science Fiction Zeitalter
Die nächsten Jahre waren wieder geprägt durch Krankheit. Ich kam mit sechs in die Schule und lernte dann richtig lesen und schreiben und verbrachte leider viel Zeit mit meinem Asthma. Ich kann Ihnen sagen: Es ist schon ein sehr blödes Gefühl, nachts nach Luft zu schnappen und nur wenig in die Lungen zu bekommen! Aber viele Menschen kennen dieses Gefühl leider nur gut.
Mein Cousin Franz-Josef war vier Jahre älter als ich und meiner Zeit wohl auch etwas voraus, jedoch teilte er das selbe Schicksal wie ich, das Asthma. Und weil wir sehr oft krank waren, teilten wir nicht nur die Krankheit, sondern auch unsere Interessen. Wir verbrachten viel Zeit damit, uns gegenseitig Geschichten auszudenken. Da er älter war, kannte er mehr Bücher und infizierte mich mit Romanen aus Zeit und Raum, ich hörte zum ersten Mal den Begriff "Science Fiction". Er entwickelte sehr gern Geschichten rund um diese Science Fiction, und somit befanden wir uns ständig im Kampf gegen Ausserirdische, die sich anschickten die Erde zu unterjochen.
Mein Grossvater war in Pension, er hatte den Krieg überlebt und nach einer sehr harten Zeit endlich Ruhe gefunden. Er fröhnte zusammen mit meiner Großmutter den eigenen Anbau im Garten, jedoch pflanzte er auch seinen eigenen Tabak. Auf dem Speicher hatte er einige Kartons stehen, die mit Groschenromanen gefüllt waren, hauptsächlich Abenteuergeschichten über z.B. tapfere Seefahrer. Jedoch zu 90 Prozent von einem Menschen namens Perry Rhodan, dem Erben des Universums. In meiner Krankheit verbrachte ich viel Zeit damit, diese Heftchen zu verschlingen und entwickelte schnell mein eigenes Verständnis zur Zukunft, denn eines erschien mir sonnenklar: die Menschen waren auf dem Mond gelandet vor ein paar Jahren, also war das was ich las nicht unmöglich. Man musste es sich nur vorstellen können.
Mit meinem Cousin verbrachte ich glaube ich Jahre, nicht nur nach Luft ringend, sondern auch im Kampf gegen das Grauen im Universum. Wir erfanden Geschichten über Geschichten und versuchten uns, in diese zu versetzen. Wir waren Helden. Hatten Idole, die die Menschheit retten würden, wenn sie dann von Ausserirdischen unterjocht werden würden- jemals.
1972 glaube ich flimmerte dann auch die erste Folge von "Raumschiff Enterprise" über den Flimmerkasten, und somit war schon vorprogrammiert, daß wir jeden Samstag Abend die Abenteuer von Captain Kirk, Spock, McCoy und Scotty verfolgten, die sich ebenfalls auf die Fahne geschrieben hatten, die Menschheit zu verteidigen und jenseits des bekannten Universums in Galaxien vorzudringen, die kein Mensch zuvor jemals gesehen hatte.
Die nächsten Jahre waren geprägt durch Schule bis 1977 ein Mann namens George Lucas den "Krieg der Sterne" erfand, und die Welt jenseits von Zeit und Raum versetzte. Ich fieberte dem Start dieses Films entgegen und sammelte alles was nicht niet- und nagelfest war. Wir sammelten Kenner-Figuren, Fotoklebealben, Filmmusik, Hörspiele und alles. Heutzutage nennt man dies "Mearchandise", und ich glaube, George Lucas ist der Erfinder dieses.
Wir spielten in den Ferien und in der Freizeit Luke Skywalker, Prinzessin Leia und Darth Vader und Obi Wan Kenobi, und da es Waschmittel damals noch in handlichen runden Tonnen gab, war es auch kein Problem für uns, R2D2 nachzubauen. Klar war, das der kleinste und jüngste Freund diesen zu spielen hatte, passte von uns keiner in diese Omo-Waschmittelbox.
Star Wars bedeutete in meiner Jungend sehr viel: Heldentum, Idialismus und für eine gute Sache zu kämpfen, sich nicht bevormunden zu lassen und nichts hinzunehmen, wenn man etwas ändern konnte. Verstand George Lucas es in seiner Geschichte doch, alle bis dahin erzählten Geschichten, sei es von Romeo und Julia oder von Cowboys im Wilden Westen unter einem Dach zu vereinen. Was gab es also besseres für uns, als uns mit diesen Geschichten zu identifizieren und so zu versuchen, unseren Geist ein wenig auf Vordermann zu bringen, denn die Realität des Erwachsenseins erschien uns noch lichtjahreweit entfernt.
In dieser Zeit begann ich auch, die ersten eigenen Science-Fiction Geschichten zu Papier zu bringen. Mit einem sehr guten Freund (den ich heute leider aus den Augen verloren habe) entwickelte ich die Geschichte von einem Ausserirdischen namens "U Thant", der sich anschickte die Menschheit zu unterjochen. U Thant war der damalige Name des UN-Generalsekretärs und sein Name war für uns eher ausserirdisch als irdisch. Mein Freund Joachim hatte eine Normal 8 Kamera, und somit schrieben wir ein Drehbuch, indem U-Thant die Menschheit unterjochte (vielmehr er versuchte es). Es waren unbeschwerte Kinderjahre, die auch von harter Schule begleitet war. Wir entwickelten Tricks, die wir im Film einbauen wollten und entwickelten unsere eigenen Techniken, denn schliesslich hiessen wir nicht Industrial Light & Magic.
Auch erschien auf deutschen Bildschirmen in heimischen Wohnzimmern in der Zeit die englische Serie Mondbasis Alpha 1, die widerum in unseren Köpfen alles mögliche anrichtete. Alleine die Vorstellung, das der Mond durch eine nukleare Katastrophe aus der Bahn geworfen worden war und als "Raumschiff" dem unbekannten Universum entgegendriftete, spornte unseren Entwicklungsgeist an. Wir ersonnen weitere Geschichten.