"Lebenslehren, Inspirationen & andere Schwierigkeiten"
1981 kam der zweite Teil von Star Wars in die Kinos, "Das Imperium schlägt zurück", der wohl beste Teil der Saga. Jedoch war der Spieltrieb als 16 Jähriger nicht mehr so groß wie als 13 Jähriger, ausserdem konnte man bei den Mädels nicht landen, wenn man alle Folgen von Raumschiff Enterprise und Mondbasis Alpha 1 auswendig kannte, und jeden amerikanischen Astronauten seiner jeweiligen Mission zuordnen konnte.
20 Jahre nach dem Start von Juri Gagarin unternahmen die Amerikaner nach fast 8 Jahren Abstinenz von der bemannten Raumfahrt einen Meilenstein: der erste wiederverwendbare Raumtransporter "Columbia" erhob sich am 12. April 1981 von Cape Kennedy und verschwand für 2 Tage im Weltall. Dieses Ereignis wollte ich natürlich nicht verpassen und hockte den ganzen Nachmittag vor dem Fernseher. Der Start wurde live übertragen im ZDF und viele Experten äusserten sich zu dem Thema Raumtransporter. Der Flug der Columbia wurde ein Erfolg, viele andere Shuttlestarts folgten in den Jahren darauf.
Ursprünglich wollte man in jedem Jahr mindestens 15 Starts bewältigen, stellte sich jedoch heraus, das der Aufwand ein Shuttle nach dem Start wieder startfertig zu bekommen, ein weit aus grösserer war als ursprünglich angenommen, und somit flogen nur 5 - 6 Shuttles pro Jahr ins All. Bemannte Raumfahrt wurde zur normalen Sache erklärt, und schnell verschwand die Berichterstattung schon damals aus dem TV. Binnen kürzester Zeit wurde es zur Belanglosigkeit erklärt, und nur in den Nachrichten war ein kurzer Ausschnitt zu sehen, auch wenn Ulf Merbold als erster Nichtamerikaner und als erster "Westdeutscher" ins All startete. Das es einen DDR-Kosmonauten gab namens Sigmund Jähn, war 1978 in den Nachwehen der Star-Wars-Zeit irgendwie untergegangen, auch wurde der Flug als "erster Deutscher" von der damaligen Bundesrepublik Deutschland nicht anerkannt.
1982 drehten wir einen abendfüllenden Spielfilm. Inspiriert durch Steven Spielbergs Film "Unheimliche Begegnung der Dritten Art", durch "Star Wars" und unserer eigenen Geschichte mit dem Ausserirdischen U Thant schrieb ich das Drehbuch für den Science-Fiction Film "Der Erbe des Universums". Dieser wurde in einem langen Prozedere mit vielen Freunden gedreht und kostete unsere Eltern ein kleines Vermögen, musste das Equipment für diesen Film doch bezahlt werden, denn die Firma Kodak hatte kein grosses Interessedaran , unseren Film zu sponsoren. Nach eineinhalb Jahren war der Film dann fertig, ein 138 minütiges Mammutwerk war entstanden, den ich dann zu den Bundesjungendfilmfestspielen eingesendet habe, und wir erreichten immerhin den 7. Platz von 200 eingesendeten Beiträgen. Ein sehr schöner Schritt.
In dieser Zeit schrieb ich in Krankheitstagen immer wieder Romane, auch das berühmte "Buch zum Film" zu unserem "Mammutspielfilm" und meinen wohl besten Roman "Der Wächter der Menschheit". Leider sind diese Manuskripte während meiner vielen Umzüge in den darauffolgenden Jahren "verschütt" gegangen.
(Zusatz: Olaf Wienhold, wenn Du diese Zeilen irgendwann einmal lesen solltest, dann schau bitte mal im Keller oder Speicher nach. Du musst ihn haben!)
Während dieser Zeit besiegte ich auch mein Asthma, nachdem ich in die Lehre kam und eine Schreinerausbildung begann. Denn wurde ich wohl mit Chemikalien (DDS-Lacke, Asbest und sonstigem) behaftet, welches das Asthma irgendwie zu besiegen schien. Die Ärzte meinten, es wäre ausgewachsen, und somit war die Zeit wohl vorrüber. Ich atmete im wahrsten Sinne des Wortes auf, nicht mehr nächtelang vor dem geöffneten Fenster zu sitzen und abzuhusten.
Das andere Geschlecht trat in mein Leben. Meine erste Freundin war eine Japanerin namens Naoko, deren Vater in unserer Stadt ein japanisches Restaurant betrieb. Meine Eltern durften von dieser Beziehung nichts wissen. (Und ihre nebenbei natürlich auch nicht!) Drei Monate blieb ich mit ihr zusammen, dann verließ sie auf Geheiß Ihres Vaters Deutschland, um sich in Japan erziehen zu lassen. Heute frage ich mich, was sie wohl macht und wo sie lebt. Vielleicht liest sie auch diese Zeilen irgendwann einmal. Lange ist es her.
Nach meiner Lehre lernte ich dann eine junge Dame kennen, an die ich dann mein Herz verlor, ich zog von zuhause aus und heiratete, ein halbes Jahr später kam mein Sohn Dennis zur Welt (1986) und somit war ich wohl der jüngste Vater in meinem damaligen Freundeskreis. Meinen Job als Schreiner hatte ich hingeschmissen und welchselte zur Bundeswehr, eine neue Zeit begann. Ich wurde Zeitsoldat, ließ mich zum Rettungsassistenten ausbilden und verbrachte viele Jahre dort, nämlich genau 12. Klar war, das meine Ehe nicht halten würde, und schon nach ein paar Jahren nach der Geburt von Dennis trennten wir uns, sie zog in Richtung Stuttgart und ich blieb in Koblenz, weil ich dort auch stationiert war. Viel Streit und anwaltliche Schreiben folgten, und auch viel Geld floss, und ich kann nicht sagen, das ich gerade mal reich war, wenn Sie verstehen, was ich meine.
Nicht beachtet von mir stationierte die damalige Sowjetunion das erste Basismodul der neuen Raumstation MIR in der Umlaufbahn. Das "Core-Module" (Kern-Modul) wog 21 Tonnen und war somit die grösste Masse, die jemals in der Geschichte der Raumfahrt ins All in einer Umlaufbahn geparkt wurde. Ich verfolgte damals nicht viel, weil es auch nicht viel zu erfahren gab. In den Zeiten des kalten Krieges war es sehr schwierig, an Informationen heranzukommen, und ehrlich gesagt hatte ich auch ein wenig das Interesse an der Raumfahrt verloren, weil ich andere Lebensabschnitte zu bewältigen hatte.
1989 lernte ich bei der Bundeswehr meine Freundin Astrid und deren Tochter Nina und Ihre gesamte Familie kennen, die bis heute noch an meiner Seite sind. Nunmehr schon fast 14 Jahre. Ich weiss gar nicht, wie Astrid das aushält so lange mit mir.
In meiner Freizeit las ich sehr viel und sah mir auch die gängigsten Filme an, die sich mit Science Fiction, oder auch getrennt nach Science und Fiction beschäftigten. Ich versuchte Stanley Kubriks Film "2001 - A Space Odyssey" zu verstehen und "Solaris" (nicht die heutige Version mit George Clooney, sondern in der Urfassung aus der damaligen Sowjetunion). Jedoch erwies sich es als sehr schwierig, die Antwort auf die Fragen zu bekommen, die ich mir selber stellte.
In meinem Kopf stellte sich mir die Frage, ob es eines Tages möglich sein würde, das jeder ins Universum vordringen würde.