Meine eigene "Space Odyssey"

Nach meinem Ausscheiden aus der Bundeswehr machte ich eine Ausbildung zu dem bis 1996 noch nicht existenten "Marketing & Kommunikationsassistenten" und beschäftigte mich zum ersten Mal beruflich mit dem Thema Internet. Irgendwann hegte ich den Wunsch, eine eigene Homepage zu entwerfen und begann mit einer Reise durch das Internet, um mir Anregungen zu holen. Ich kann mich noch gut erinnern, das die erste Seite, die ich 1994 aufrief, die Seite der NASA war.

Ich stellte fest, das die meisten privaten Homepages (und das haben sie bis heute nicht) keinen Anspruch hatten und suchte nach guten deutschsprachigen Seiten zu den Themen Astronomie und Raumfahrt. Ich wurde aber nicht richtig fündig, ausser auf einer Seite die sich "Astrolabium" nannte und von einem Journalisten namens Jörg Reichertz betrieben wurde. Er ging einen sehr schönen Weg, wie ich fand, und ich nahm mir seine Seite als Vorbild, die auch in einigen Zeitschriften im Bezug zum Internet genannt wurde.

Ich entwickelte die "Space Odyssey Suite" und war stolz wie "Harry", meine erste eigene Seite auf die Beine gestellt zu haben. Damals kosteten Domains sehr viel Geld im Gegensatz zu heute und somit wurde ich Mitglied bei AOL, wo man seine eigene Seite unter seinem Useraccount anlegen konnte. Die "Space Odyssey Suite" war geboren und ich starrte jeden Tag auf den Counter was sich denn da so tat, und wieviele Besucher denn auf die Seite aufmerksam werden würden. Es tat sich am Anfang logischerweise nicht sehr viel, aber wie heisst es so schön: "Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen".

Ich fand viele Seiten, die urplötzlich aus dem Boden zu schiessen schienen, die sich dem selbigen Thema wie meine Seite annahmen und somit verbündeten wir uns mit unseren Seiten in Webringen und Foren, wo wir über die Themen der Raumfahrt, Kosmologie und Astronomie diskutierten. Damals machte das Internet noch richtig Spass. War es nicht überfüllt mit Kommerz und Spam-Mails!

1998 machte ich mich selbstständig, und gründete im Jahr 2000 zusätzlich eine Firma, die sich um Internetprogrammierung, Webdesign und allerlei andere Dinge kümmert. Ich lernte Andreas Rohlf kennen (mittlerweile ein sehr guter Freund, Weggefährte, Mentor - bekannt im Internet unter Solaris RA), der durch sein eigenes, sepzifisches Leben und durch seine autodidaktische Art viel im Internet von sich reden machte, und wir beschlossen, zusammen für die Firma zu arbeiten. Während der Zeit baute ich die Space Odyssey weiter aus und sie mutierte zu einer der grössten Websites in Bezug auf die Themenvielfalt, die die Themen Raumfahrt und Astronomie hergeben. Andreas und ich wurden Freunde, und seitdem befinden wir uns in der "Karawane der Tapferen", die sich gegen die Geschäftswelt, Konkurrenz und Politik zu behaupten mag.

Im selben Jahr wurde das erste Modul und zugleich der Spatenstich für eines der grössten Raumfahrtprojekte in der Erdumlaufbahn positioniert: das russische Modul "Zarya" erhob sich von Baikonur aus in den Weltraum. Damit war der Grundstein gelegt worden für die Internationale Raumstation ISS, die in den nächsten Jahren ausgebaut wird. Auch die Bemühungen, den Bau der Internationalen Raumstation voran zu treiben, beobachtete ich. Jahrelange Verzögerungen im Bau, Befindlichkeiten der Partner und finanzielle Engpässe wurden gemeistert, und somit konnte der nächste Schritt der Menschheit im All beginnen. Aus Konkurrenten waren endlich Partner geworden, und somit konnte einmal ein gemeinsames internationales Projekt in die Wirklichkeit umgesetzt werden. Im selben Jahr folgte auch das zweite Modul, der erste amerikanische Verbindungsknoten "Unity".

Die Space Odyssey wuchs im Internet immer weiter. Spacenews, frisch auf den Tisch, waren in den letzten Jahren eine Seltenheit (bis vor kurzem), und ich versuchte dem Normaldenkenden, ohne grosses astronomisches oder physikalisches Kauderwelch die Faszination der Dinge von da draussen näher zu bringen. Die Besucherzahl stieg an, auch die Anzahl der Newsletterabonennten stieg in "astronomische" Höhen. Die Space Odyssey verkörperte für mich den Traum, den ich schon seit langem hegte: Sterne, Planeten und Raumfahrt zu beschreiben. So bildlich als möglich, so, als wäre ich selber dort oben gewesen und könnte von diesem Erlebten erzählen.

Und so entwickelte ich auch teilweise unbewusst in meinem Kopf, mich tatsächlich mit dem Gedanken auseinanderzusetzen, ob es mir nicht möglich ist, ins All zu fliegen.

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