Vom Guide zum "Kosmonauten"
Im Sommer des selben Jahren wurde ich von Walter Drasl arrangiert, interessierten Laien den Raumfahrtstandort Bremen näher zu bringen. Ein von ihm entwickeltes Eventprogramm "Europa im Weltraum" wurde arrangiert. Meine Aufgabe bestand darin die Leitung der Virtual Reality Show "How to build the ISS" durchzuführen, in der mittels 3D-Grafik der Eindruck erweckt wird, man würde selber im All schweben um den Zusammenbau der ISS als frei schwebender Astronaut miterleben. Vielen Gästen konnte ich mit viel Fachwissen vermitteln, was es bedeutet einen solchen Schritt im Weltall zu unternehmen und ich lernte viele Menschen kennen, zu denen ich heute noch Kontakt habe. Ich fuhr also von nun an so ein bis zweimal im Monat nach Bremen, um Interessierten die Dinge rund um die Raumfahrt nicht nur übers Internet nahezubringen, sondern live und in Farbe auf dem Gelände der damaligen Astrium GmbH.
Walter Drasl erwies sich als unglaublich "wissensaufsaugend", und mit meinen Visionen, die ich ihm jedesmal anvertraute, glaube ich heute sagen zu können, das ich ihm auch ein wenig neue Wege gab. Nicht für ihn persönlich, sondern als Eventveranstalter. Zumindest mal erschien es mir so, das "Real Space" nun langsam anfing, auch öffentlicher zu werden, indem man Menschen einiges zeigen konnte in Sachen per aspera ad astra (mit Anstrenung zu den Sternen).
Im Februar 2001 meinte Georg Möller (er ist der Ex-Mann von meiner Lebensgefährtin Astrid), er müsse für einen grossen Kunden eine Kundenzeitschrift entwerfen, und in dieser Kundenzeitschrift würden besondere Berufsgruppen vorgestellt, unter anderem auch die Berufsgruppe der Astronauten. Man hätte sich im Internet dumm und dusselig gesucht, aber keine richtige Rubrik gefunden, die erwähnenswert sei. Also wäre es doch gar nicht mal so schlecht, wenn ich auf meine Seite, der Space Odyssey eine Rubrik einführen könnte, die das Berufsbild des Astronauten beschreiben würde. Okay, dachte ich, ran ans Werk und ich baute innerhalb von zwei Wochen (die Zeit des Veröffentlichungstermins der Kundenzeitschrift rückte immer näher) die Rubrik "How to be an Astronaut!" in die Seiten der Space Odyssey ein.
Ich orientierte mich an dem Material, was einem Normalsterblichen zur Verfügung stand, und ich fand einige Kriterien der NASA und der ESA. Nach russischem Material suchte ich vergeblich, die Bücher, Filme und Internetseiten die ich las, sah oder besuchte gaben leider nicht viel her. Also beschloss ich, mich zunächst nur um den amerikanischen und europäischen Weg zu kümmern. Die Rubrik ging online, und nicht nur für die Kundenzeitschrift war es eine schöne Sache, sondern auch für die Informationsquelle an sich auf Seiten der Space Odyssey. Ich dachte noch daran: Schade, nichts über russische Kosmonauten, aber "kommt Zeit, kommt Rat".
Und das sollte dann noch schneller kommen, als ich mir zu träumen gewagt hatte.
Im Mai (es war Feiertag hier in Rheinland-Pfalz) saß ich morgens mit Astrid bei Sonnenschein auf dem Balkon unseres Hauses im mittlerweilen 7-jährigen Wohnort Waldesch, und Walter Drasl rief an und meinte, ob ich nicht Lust hätte, an dem Kosmonautentraining in Russland teilzunehmen. Ich wusste von ihm schon vorher, das er die einzigartige Chance erhalten hatte, einen gutbetuchten Touristen auf diesen Trip zu senden. Wir hatten einiges versucht, und Walter Drasl allemal jemanden zu finden. Jedoch die Zeit war mal wieder dagegen. Das Training stand fest, es sollte vom 12.09. - 18.09.2001 stattfinden. Versuchen Sie mal, jemanden zu finden, der sich kurzerhand entscheiden konnte, auf eine solche Reise zu gehen, zumal der Spass auch noch 38.000 Dollar kosten sollte (ohne Flug und Hotel in Moskau versteht sich).
Walter Drasl meinte, ich solle auf den Trip gehen. Als "Versuchskaninchen". Space infiziert sei ich ja schon, und er glaube, es würde uns alle einen grossen Schritt mit Öffnung der Weltraumfahrt weiter zu bringen.
Da saß ich nun, ich armer Thor!
Im Februar hatte ich noch Probleme, Daten und Fakten zum russischen "How to be an Cosmonaut" zu finden, und nun würde ich selber meine Nase in dies reinhalten können. Denn das Training war keine "touristische Reise", sondern real: Mit original Shuttle- und Soyuz-Besatzungen trainieren in einer Kapsel, schwimmend im schwarzen Meer, ist schon etwas ganz anderes.
Nach vielen Überlegungen, vielem Hin- und Her, vielen Schwierigkeiten begab ich mich dann einige Monate später auf diese Reise, am 12. September 2001 flog ich zusammen mit Michael Schultz, meinem bis dahin "grössten Widersacher in Sachen Zusammenarbeit" nach Moskau, um selber zu erfahren was es hiesse, ein Astro- oder Kosmonaut zu sein. Über diese Erfahrung habe ich ein Tagebuch geschrieben, welches Sie in der Rubrik "Trainings-Tagebuch" lesen können. Ich sage nur: nehmen Sie sich Zeit. Meine Art ist, jede auch noch so kleine Kleinigkeit zu erwähnen, sie werden das Gefühl bekommen, als würden Sie mit mir das Training selber erleben.