How to live in space!
Mein Traum nahm immer mehr realistische Formen an. Die Ausstellung Russia in Space wurde ein Erfolg. Viele Menschen konnte ich mit Raumfahrt im wahrsten Sinne des Wortes "infizieren". Viele Menschen lernte ich dort kennen, viele zählen auch heute zu meinem guten Bekanntenkreis.
Während der Ausstellung bekam ich nach langem wieder mit, was es bedeutet, Interesse zu erwecken mit Dingen, die bis zu diesem Zeitpunkt hinter verschlossenen Türen gehalten worden waren. Bücher zu lesen ist eine Sache, etwas "anfassen zu können" eine andere. Während der Ausstellung hatte ich es logischerweise mit vielen Schulklassen zu tun, die von den verschiedensten Schulen kamen. Ich bekam mit, was es heute bedeutet, zu "lehren". Gerade in Hauptschulen ist das "lehren" nicht so einfach.
Ich hatte einmal eine 8. Klasse auf dieser Ausstellung, die ihren Ausflug zu "Russia in Space" unternahm. 28 Kids im Alter zwischen 13 und 14 Jahren. Unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlicher Nationalität etc. Als die Schulklasse kam, dachte ich, das Chaos brach aus, wurde sie doch von 5(!) Lehrern begleitet. Sie hatten ihre Mühe, der Horde Herr zu werden, konnte ich mir gut vorstellen, das das Beherrschen nicht gerade einfach für sie sei. Ich begann mit meinen Ausführungen und bemerkte zunächst die ablehnende Haltung gebenüber dem Thema, und welchselte in anbetracht dessen den Jargon, und sprach wie sie. Ich versuchte eine sehr bildliche Sprache anzuwenden, um sie irgendwie zu treffen.
Nach 15 Minuten, in denen das Chaos geherrscht hatte, war Ruhe eingekehrt und Stille trat ein. Die Schüler und Schülerinnen klebten an meinen Lippen, als ich Ihnen erklärte, was es bedeutete in einer russischen Soyouz-Kapsel zu sitzen. Was es bedeutete, als Gagarin 1961 der erste Mensch war, der die Erde umrundete und was es bedeutete, an Bord einer Raumstation zu leben, monatelang.
Ich überzog die normalerweise geplante Zeit von 90 Minuten um eine halbe Stunde, und ich hatte das Gefühl, das ich etwas spezielles bei den Schülern bewirkt hatte. Es wurde viel gelacht.
Nach dem Ende der Führung kam der Klassenleiter auf mich zu und meinte: Also ehrlich. 4 Jahre würde er diese Klasse nun betreuen. Er hätte noch nie so eine Ruhe und Ordnung in dieser Klasse gehabt. Es wäre einfach fantastisch, wie ich das machen würde. Ich fühlte mich geehrt, und schämte mich zugleich, sowas hört man auch nicht alle Tage.
Ein anderes Beispiel war eine Schulklasse Abiturienten, die von einer sehbehinderten Schule aus Wiesbaden kamen. Mir war klar, mit einer Bildsprache kommst Du hier nicht weiter, Andreas, also musst Du andere Dinge anwenden, um Blinden oder sehr stark sehbehinderten Menschen die Geschichte der Kosmonautik näher zu bringen. Gut, geschichtliche Aspekte sind "mündlich" zu erzählen, aber versuchen Sie mal jemanden, der von Geburt an blind ist, das Rückstoßprinzip eines Raketenantriebs zu erklären! Auch dies schaffte ich auf einer 2.5 stündigen Mammuttour, und die Schüler, die noch nie in ihrem Leben eine Rakete, einen Satelliten oder eine Raumstation gesehen hatten, wussten von nun an viel mehr!
Eine der grössten Herausforderungen: eine Gruppe Maschinenbauingenieure von der Uni Mainz. Da musste ich tief in meinen Wissensfundus greifen, um den Herren etwas zu erklären, was aus technischer Sicht sprachgerecht war. Hier konnte ich nicht in einer "Bildsprache" sprechen, sondern musste die Dinge so beschreiben, wie sie sich verhalten.
Dies brachte mich auf die Idee, mehr zu machen für Schüler und die "Kids" von heute, und ich nahm mir in diesen Tagen eines vor: wenn ich es schaffe, in den Weltraum zu fliegen, dann nehme ich alle alle mit auf diese Reise. Nicht in Realität, denn es ist schon nicht einfach, mich selber in die Umlaufbahn zu katapultieren. Die Erfahrungen werden nicht in meinem Kopf weggeschlossen, sondern ich werde vor, während und nach meinem Flug darüber erzählen, so wie ich es bisher auch gemacht habe. Ich werde mein Wissen teilen.