MedCheckUp und Briefing
Im Gebäude mussten wir uns zunächst zurechtfinden. Zunächst mit einigen Aufzügen und Treppen in andere Stockwerke, unsere Guide Valeria führte die Truppe an. Hier lebten und arbeiteten also die Top-Piloten von Russland.
Vor einer Tür blieben wir stehen und Valeria meinte, hinter dieser Tür würde der medizinische CheckUp stattfinden. Wir traten ein und eine kleine, ältere Ärztin begrüßte uns sehr freundlich und wies mich auf einen Platz neben ihrem Schreibtisch. Sie sprach recht gut Englisch und ich legte ihr mein aus Deutschland mitgebrachtes medizinisches Attest vor. Sie überflog es kurz und schob mir einen Fragebogen über den Schreibtisch. Ich beantwortete jede Frage nach Erkrankungen etc. gewissentlich, dann maß sie meinen Puls und meinen Blutdruck. Der Blutdruck war etwas höher, was jedoch nicht an der Erwartung der MIG 25 lag. Dieser rührte eher daher, weil Johann alle möglichen Stellen gewählt hatte, wo er mit seiner Kamera tätig wurde. Er machte mich etwas nervös, die Ärztin auch, sie meinte, das wäre kein Theater sondern eine Muss-Untersuchung. Sie störte es gewaltig, das Johann mit seiner riesigen Digi-Beta-Cam hinter ihrem Schreibtisch kniete um mich dabei zu filmen, während sie mich untersuchte.
Also machten wir zunächst einen Dreh, und danach folgte die ärztliche Untersuchung, und das richtig. Abhören der Lunge, Blutdruck, Sehschärfe etc. Diese ärztlichen Untersuchungen kannte ich nun schon zu genüge, und ich stellte wiederum fest, das ich eigentlich ganz schön in Form bin, ohne das man mir dies ansieht.
Nach der ärztlichen Untersuchung folgte wieder ein anderer Raum, hier würde das Briefing stattfinden. Nach 20 Minuten erschien mein Pilot.
Alexandre V. Pavlov, genannt ‚Sasha’ betrat den Raum und gesellte sich zu uns an den Tisch. Er stellte sich knapp vor und besprach dann mit mir die Flugroute und stellte mir einige Fragen. So z.B., ob ich schon einmal in einem Jet geflogen wäre. Ich konnte diese Frage mit 'Ja' beantworten, hatte ich einmal in einem Tornado der Bundeswehr als ‚KBO’ hinter dem Piloten gesessen, als dieser in Büchel (Eifel) einige Platzrunden drehte. Dieser Flug war jedoch mit dem, was mir bevorstand, wohl nicht zu vergleichen.
Sasha ist der Sohn eines Testpiloten. Nach dem er die Schule beendet hatte, entschloss er sich Pilot zu werden und ging zur 'Kharkov Higher Military Aviation School for Fighter Pilots', vergleichbar mit ‚Top Gun’ in den USA. Als er 1990 mit vielen Auszeichnungen die Prüfungen bestanden hatte, erhielt er sein Piloten-Ingenieurs Diplom. Danach absolvierte er als Jagd-Flieger der Russischen Luftwaffe bis 1992 seinen Dienst. Nach dieser Zeit verließ er das Militär und wechselte zum Ministerium für Luftfahrt-Industrie, dort zur Test-Piloten Schule. Seitdem ist er experimenteller Test Pilot am Grumov-Flight Institute. Seine Flugerfahrungen belaufen sich auf über 4.500 Flugstunden (ca. 6.000 Flüge) in mehr als 20 verschiedenen Typen von Flugzeugen. Er nimmt häufig an Flugdemonstrationen teil und in seinem Privatleben ist er ein begeisterter Berg-Skifahrer.
Dies alles erzählte er mir während seines Briefings, und er erklärte mir anhand einer Karte die Route, die wir fliegen würden und einige technische Aspekte des ‚Edge of Space Flight’, wie er bei Space Enthusiasten genannt wird. Er meinte, wir flögen auf 25.000 Meter Höhe, aber das Wetter sähe so gut aus, das es möglich wäre, das wir noch höher steigen könnten. Ich lachte und meinte zu ihm "Okay, wenn Du meinst mich zur ISS bringen zu können, dann tu das!"
Er lachte und verdeutlichte mir, das dieser Flug für einen Piloten eine grosse Herausforderung wäre. Es gibt in Russland nur 5 Piloten, die diese High-Altitude-Flights machten und Erfahrungen damit hätten. Viele Aspekte sind während eines solchen Fluges zu beachten: Temperatur, technischer Zustand der Maschine, Geschwindigkeit, Gesundheitszustand des Mitfliegers etc. Nachdem er mich gebrieft hatte, legte er mir ein Schreiben vor, welches ich durchzulesen hätte und dann unterschreiben müsse. Ohne Unterschrift, kein Flug.
Ich wusste, was ich da unterschreiben würde. Die Enthaftungserklärung für den ‚Fall der Fälle’. Es ist klar, wenn man als Normalbürger an einem solchen Flug teilnehmen würde, übernahm das Militär als Eigner der Maschine natürlich keinerlei Haftung. Wer solche Abenteuer plant, muss sich im klaren sein, das er dies auf eigenes Risiko macht. Mir ist das schon seit Jahren klar, das keine Versicherung der Welt einen absichert (vielleicht einmal Lloyds in England gegen horrende Zahlungen). Also unterschrieb ich und der nächste Schritt war somit vollzogen.
Sasha grinste und meinte dann: „Okay. Now you will go to the dressing room, we will see us again at the MIG 25." Er drückte mir kurz die Hand und verschwand dann fast lautlos aus dem Zimmer. Er hatte Charisma, definitiv, und ich fühlte mich absolut sicher. Also folgte ich dann Valeria zum nächsten Raum.