Cockpit Briefing

Sasha während des Cockpit-Briefings Sasha fragte mich mit einem Lächeln: "Hi Andreas. How are you?" "Thank you! I´m feeling good" antwortete ich nicht gerade mit überzeugender Stimme und sein Lächeln wurde zu einem Grinsen.

"Are you feeling scared?" fragte er mich, ich verneinte in Wahrheit, denn ich hatte wirklich keinerlei Angst-Gefühle. Sasha schlug mir auf die Schultern und meinte dann, noch ein kurzes Cockpitbriefing machen zu müssen.

"Okay, now we will have a short briefing. I will show you the instruments in front of your panel and will explain the emergency-procedures. After that, I will show and explain you this, please repeat the steps!"

"Okay" sagte ich und er begann mir alles zu erklären. Er zeigte mir die wichtigsten Instrumente. Den Höhenmesser, den 'Speed over Ground'-Meter und den Mach-Meter, und eine Anzeige die sich 'G-Force-Meter' bezeichnet. Sie werden mir in diesem Moment wohl recht geben, das dieser wohl das Instrument ist, welches über den Flug nachdenken lässt. Die Belastungen während des Fluges können bis 4.5 G betragen. In erwartungsvoller Anspannung Während eines Soyuz-Starts vom russischen Kosmodrome Baikonur in Kasakhztan treten während des Starts Belastungen von bis zu 3.2 G auf, bei der Landung im Normalfall 3.8 G. In dieser MIG würden bis zu 4.5 G auf mich einwirken, und das je nach Fluglage von jetzt auf gleich!

Sasha erklärte mir geduldig die Instrumente und es war auch nicht allzuschwierig, sich diese zu merken. Die wichtigsten Instrumente sind mit einem Blick zu erhaschen. Dann führte er meine linke Hand zu einem Schalter auf meiner linken Seite. Ein blauer Schalter erregte meine Aufmerksamkeit.

"If I say to you: Switch the blue switch, you will become 100% Oxygene. If I will say that to you over intercom, switch this switch!" Ich nickte mit dem Kopf. Es schien sehr wichtig zu sein, und mir war das auch klar, als mir das Wort ‚Dekompression’ im Kopf herumschwebte. Er zeigte mir den Kippschalter, den ich betätigen konnte, um mit ihm Kontakt über Interkom aufzunehmen. Und dann:

"If we will have an emergency ..." er stoppte kurz und ich blickte ihm in seine dunklen Augen, "... oh no, forget it. If we have an emergency-situation, I will catapult our both ejection-seats out. I will arrange it. I will give you for this reason the command 'eject-eject-eject', push your head against your seat and wait of that, what will follow. Please, repeat!"

Zwei Mann in den Cockpits
Dann schlug er mir mit seiner Hand auf die Schulter und ich lachte ihn an. Kurz darauf war er verschwunden, ich zog meine mydays-Mütze aus und den Stoffkopfschutz an, ein Stoffteil das aussieht wie eine Schwimmkappe. Dann den Helm drüber und es wurde schon 80 Prozent leiser um mich herum, der Helm isolierte sehr gut den Schall. Johann stand mit der großen Kamera neben mir, und das auf der oberen Plattform der Leiter, sozusagen ‚freischwebend’. Ich dachte noch daran, das dies wohl waghalsiger sein würde und er jederzeit von dieser Leiter fallen könnte. Es ging schließlich drei Meter nach unten.

Ich befestigte meine Sauerstoffmaske vorschriftsmäßig wie ich es gelernt hatte an meinem Helm und überprüfte den Sitz. Klappte mein Sonnenschutz-Visier herunter und wieder nach oben. Alles war okay. Dann beugte sich Johann von der linken Seite ins Cockpit hinein und sagte laut: "Bitte, Andreas. Nimm diese Kamera in Deine Hände. Wir haben zwar drei Kameras fest installiert, jedoch weiß man nie." Ich dachte kurz darüber nach. Mensch, ich wollte auch Fotos da oben machen. Nach kurzem hin und her ließ ich mich dann überreden, wie sich im Nachhinein zeigen sollte, eine gute Entscheidung.

Alleine in meinem Cockpit Johann war sichtlich zufrieden mit meiner Einwilligung und ich sagte noch zu ihm, er sollte doch jetzt wohl alle Kameras einschalten, was er auch tat. Der kleine LCD-Bildschirm der Kamera, die auf mich gerichtet war zeigte mich im Cockpit. Ich erschreckte zunächst ein wenig, musste aber dann in mich hineinlachen. ‚Der Bergweiler im Cockpit einer MIG! Unglaublich!’.

Kurz nachdem er die Kameras angeschaltet hatte hörte ich abgemildert von dem Helm das Anlaufen der Turbinen. Die Maschine fing an zu vibrieren und die unvorstellbare Kraft in den Brennkammern begann ihre Arbeit aufzubauen. Mir kam mein alter Physiklehrer in den Sinn. Arbeit = Kraft x Weg. Johann verschwand, und ein anderer Techniker, der via Helm mit Sasha verbunden war zeigte sich auf meiner linken Seite. Er zog das Cockpitdach herunter und arretierte es. Er zeigte dann mit dem Daumen nach oben und tat es ihm gleich. Zugleich filmte ich dieses mit der Handkamera, während dessen spürte ich, wie Sasha die Triebwerke startete.

Nun war ich nach mehreren Stunden an diesem Tag wirklich alleine. Der Stress mit dem Kamerateam, der Stress der ärztlichen Untersuchung, des Ankleidens und anderes verschwand aus meinen Gedanken. Ich blickte durch das Cockpitfenster das mich ganz umschloss und sah einige bekannte als auch unbekannte Gesichter. Ich sah Attila, der den Daumen hochhielt und mir irgendwas zurief. Was er mir zugerufen hatte, bleibt bis heute sein Geheimnis, da ich definitiv kein Wort verstand.

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