Dressman

Anlegen des G-Force-Suits Zwei Frauen erschienen mit einem freundlichen Lachen auf dem Gesicht und ich musste vor ihren Augen strippen, bis auf die Unterhose. Ich bekam blaue Unterwäsche, nach Nachfragen erwies sie sich als feuerfest. Ähnlich der Unterwäsche eines Michael Schumacher. Danach kam der G-Flight-Suit.

Der G-Flight-Suit ist ein besonderer Anzug, der eingearbeitete Luftkammern besitzt, deren Anschlüsse mit dem Cockpit des Jets verbunden werden. Er verhindert das Absacken des Blutes in die unteren und oberen Extremitäten bei Belastungen, die bei sehr schnellen Kurvenflügen und anderen Manövern auftreten. Wäre dieser Anzug nicht an Bord, würde es mir nicht so gut gehen, durch die G-Kräfte würde das Blut in die Beine gedrückt und das Gehirn bekäme eine Mangelversorgung an Sauerstoff. Ein Black Out wäre die Folge, keine guten Voraussetzungen, einen solchen Flug zu absolvieren. Der G-Suit ist sehr eng und mit vielen Schnüren und Schnallen versehen.

Nach 10 Minuten war er fachmännisch angelegt und ich bekam meinen Flugoverall. Meinen eigenen konnte ich leider nicht benutzen, weil er an der linken Seite in Hüfthöhe keine Öffnung besitzt, um die Handanlegen ist hier gefragt! Schläuche des G-Suits mit dem Cockpit zu verbinden. Danach wurde der Helm angepasst und die Sauerstoffmaske überprüft, als auch der Sprechfunk.

Ich fühlte mich an mein Abenteuer in Sochi am Schwarzen Meer erinnert. Das Anlegen eines Sokol-Druckanzugs für Kosmonauten war wesentlich anstrengender und zeitraubender. Aber ähnlich. Als ich dann vor dem Spiegel saß und in die Geheimnisse des Helms und der Sauerstoffmaske eingewiesen wurde, beschlich mich zum ersten Mal die Realität: Andreas, Du wirst in die größten Höhen vordringen, die es mit einem Jet zu erreichen gilt. Die MIG 25 hält den Höhenrekord für nicht raketenangetriebene Flugzeuge mit einer Flughöhe von 37.800 Metern. Seit 1997 ist dieser Rekord ungebrochen.

Als ich darüber nachdachte kam mir wieder Chuck Yeager in den Sinn, als er in Mitte der 60er Jahre, als die ersten Mercury und Soyuz-Raumschiffe bereits öfter in den Orbit vorgedrungen waren, den Prototypen des ‚Starfighters F-104’ in ungeahnte Höhen getrieben hatte. Fast 100.000 Fuß hatte die Maschine erreicht, jedoch versagte in dieser Höhe das Triebwerk und Yeagers Flug wäre fast in einer Katastrophe geendet, nur der Schleudersitz konnte ihn noch retten.

Sauerstoffmaske: Sitzt, wackelt und hat Luft! Nachdem auch die Einweisung in den Anzug und die Technik des Flughelms erledigt war, bekam ich noch eine dicke Thermo-Jacke in Tarnfarben verpasst und Handschuhe. Dann klopften mir die beiden Mädels auf die Schulter und meinten in sehr gebrochenem Englisch: "Now, you are ready for flight!". Ich stand vor einem Spiegel und staunte nur noch. Da stand ich nun, dick verpackt in vier Schichten und grinste mein Spiegelbild an. Es grinste zurück und meinte: "Du hast es Dir nicht anders ausgesucht!"

Ich spürte den Anzug auf meinem Körper. Sicherlich kein Kosmonauten-Anzug, jedoch sehr anschmiegsam. Ich hatte auch das Gefühl, das er sehr stützend auf die Wirbelsäule wirkte, kein Wunder, schützte er mich nicht nur gegen eine mangelnde Blutversorgung, sondern auch gegen die physikalischen Kräfte, die während des Fluges auf mich einwirken sollten. Der Helm lag sehr eng an, von Aussen klang nicht mehr viel von den Stimmen und den Geräuschen an meine Ohren. Sicherlich auch ein Zeichen dafür, das es an Bord der MIG-25 sehr laut werden würde.

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