Nahebegegnung mit einer russischen Lady
Im Flur wurde ich wieder vom Filmteam in die Mangel genommen. Wenigstens hatten Sie mir etwas Privatsphäre gelassen beim Umziehen. Johann gab mir die nächsten 10 oder 15 Minuten Anweisungen, ich musste Treppen steigen, Fahrstuhl fahren und dutzendfach durch die Eingangstür gehen, bis er zufrieden war. Ich merkte dem TV-Team auch diesmal wieder an: das waren Profis. Und Profis verlangen Professionalität, auch von einem ‚Nicht-Schauspieler’.
In einer holprigen Fahrt über 'Eisschollen' ging es dann weiter und der Bus fuhr mit uns allen auf den Flugplatz weiter vor. Wir fuhren an Bombern vorbei, die ich bis dahin nur aus dem Internet kannte oder aus der Zeit bei der Bundeswehr. 'Luftfahrzeugerkennung der Warschauer Pakt-Staaten’ erinnerte ich mich an die postergroßen Plakate, die an den schwarzen Brettern in den Kasernen hingen. TU-27 Bomber, viele Kampfhubschrauber und Typen von Flugzeugen, die ich bisher noch nie in meinem Leben gesehen hatte, standen auf dem Flughafen.
Nach 10 Minuten holpriger Fahrt kamen wir dann zum Stillstand und ich sah durch die Scheiben die Flugzeug-Hangars. Diese berühmten Hangars auf militärischen Flughäfen, unter den sich die Kampfjets verbargen. Ein Truck stand vor einem Hangar, und die Schleppstange des Trucks verschwand in ihm. Ich ahnte, das sich am Ende dieser Schleppstange wohl die MIG befand und ich stieg aus dem Bus aus und ging weiter nach vorne. Das TV-Team machte alle möglichen Aufnahmen, und ich wartete, bis sich der Truck in Bewegung setzte.
Und dann sah ich die MIG 25, die ich bis dahin nur von Fotos erkannte in der Realität. Ich musste ehrlich gesagt etwas die Luft anhalten, weil so groß hätte ich sie mir eigentlich gar nicht vorgestellt. Der Truck fuhr soweit, bis die MIG 25 komplett aus dem Hangar heraus war und blieb dann stehen. Ich stand stocksteif im Schnee und es war so, als würde absolute Stille eintreten. Das geschäftige Treiben der Bodencrew, als auch meines Teams war binnen Sekunden verschwunden. Ich lies dieses graue Ungetüm auf mich wirken. Ich vergaß nicht, das sie im Endeffekt eine Waffe war. Gebaut als Aufklärer und als Beobachtungsflugzeug. Diese hier war nicht bewaffnet, konnte man jedoch unter den Flügeln die Vorrichtungen sehen, wo die Waffen angebracht werden konnten.
Für Technikfreaks hier mal etwas genaueres zur MIG 25:
MIKOYAN MIG-25
NATO-Code: 'Foxbat'
Die MIG 25 wurde als Allwetterflugzeug konzipiert, die alle Ziele unter allen Bedingungen aufklären sollte. Bei Tag und Nacht wurde sie in der sowjetischen, später in der russischen Luftwaffe eingesetzt. Sie wurde in die Ukraine, nach Kasachstan, in den Azerbaijan, nach Indien, den Irak, Algerien, Syrien und Liybien exportiert. Einige wurden auch zur Luftwaffe der DDR überstellt, so das nach dem Fall der Mauer die Luftwaffe der Bundesrepublik Deutschland in den Besitz von 12 flugfähigen MIG 25 gelangte. Diese wurden jedoch nicht offiziell in den Dienst gestellt, sondern verkauft.
Die ersten Konstruktionen gehen zurück in das Jahr 1959. Geplant als Gegengewicht zum amerikanischen ‚SR-71A Blackbird‘, einem hochfliegenden Aufklärungsflugzeug der Vereinigten Staaten, das in grosse Höhen vordringen konnte um Spionageaufnahmen vom gegnerischen Territorium zu erlangen. Die Entwicklungsphase wurde 1962 abgeschlossen und nach diesen Jahren weiter modifiziert. Der erste Prototyp flog am 9. September 1964 und vollzog danach seinen Dienst in allen Ländern des Warschauer Pakts. Ende der 80er, Anfang der 90 Jahre wurde die MIG-25 durch die MIG-31 ersetzt.
Angebtrieben durch zwei Soyuz/Tumansky R-15BD-300 Turbojet-Triebwerke. Schub 86.30 kN im Normalflug, 109.75 kN mit Nachbrenner. Treibstofftanks (70%) im Hauptrumpf zwischen Cockpit und Jetanlage, ein Tank in jeder Tragfläche mit insgesamt 17.660 Litern Füllmenge.
Maximale Geschwindigkeit: Mach 3.2 (3.600 km/h), max. Geschwindigkeit über Seehöhe 1.200 km/h. Um auf eine Flughöhe von ca 22.000 Meter zu kommen (ca. 66.000 Fuß) benötigt sie 8 Minuten und 55 Sekunden. Die Dienstgipfelhöhe betrug im Normalfall 22.686 Meter (67.915 Fuß). Die Reichweite (vollgetankt) beträgt 1.730 km mit Vollbeladung, Flugzeit (ohne Zusatztanks oder Luftbetankung) 2 Stunden und 5 Minuten.
Spannweite: 14.02 Meter, Länge 23.82 Meter, Höhe 6.10 Meter.
Vorgesehen für einen Piloten, jedoch auch gebaut für zwei Piloten als Aufklärungs-, Spionage- und Schulungsflugzeug, hatte ich also die Version 'MIG-25PU' vor mir, im NATO-Code also 'Foxbat-C'.
Diese Daten gingen mir bei dem Anblick nicht durch den Kopf. Ehrlich gesagt musste ich sie im Internet zusammensuchen, aber alles kann kein Mensch (außer die Flugingenieure natürlich) im Kopf behalten. Ich hatte mich zwar früher für alle möglichen Flugzeuge interessiert als Modellbauer, jedoch kannte man höchstens die allseits bekannte 'MIG 21'. Alles andere war wahrscheinlich nur den Spionagediensten vorbehalten.
Dieser Abschnitt nur zur Info, nicht zur Verherrlichung. Aber, sei es wie es sei, aus flugingenieurtechnischer Sicht ist dieses Flugzeug eine Meisterleistung seiner Zeit gewesen und steht den heutigen ultramodernen Jets in nichts nach.
Da stand ich einige Minuten und versuchte mir die Technik dieses Flugzeuges vorzustellen. Da war sie nun, die mich in höchste Höhen bringen sollte. Irgendwie, nach ein paar Minuten schien es mir, als ob sie zu mir sprach. "Hallo, ich bin zwar eine russische Lady, aber Andreas glaub mir, zusammen mit Sasha den ich gut kenne, werde ich Dich sicher befördern und zwar so hoch, wie es heute geht." Ich antwortete in Gedanken wahrscheinlich irgendwas, kann mich jedoch nicht erinnern.
Das geschäftige Treiben um mich wurde wieder Realität. Ich beobachtete das Bodenteam, das die MIG-25 unter ihren Planen hervorzog und dann, wie sie vom Truck gezogen aus unserem Sichtfeld verschwand.