Wieder auf dem Weg nach Star City
Am Mittag des 10. März traf ich dann vor dem CheckIn-Schalter der Aeroflot am Frankfurter Flughafen zum ersten Mal persönlich Fabrice. Wir hatten schon vorher dutzendfach telefoniert und nun standen wir uns gegenüber. Wenn man mit einem Menschen oft gesprochen hatte kennt man ihn schon recht gut, und wir verstanden uns genauso wie am Telefon prächtig. Als wir zwei Stunden später nebeneinander in einer Boeing 737-200 saßen und in Richtung Osten aufbrachen, unterhielten wir uns viel über Visionen, insbesondere über meine Vision, tatsächlich den Flug zu den Sternen antreten zu können. Fabrice hatte seine Firma mydays erst im Dezember 2003 gegründet und hatte wahnsinnig viele Ideen. Wenn Sie selber wissen wollen, mit welchen Themenvielfalten sich mydays beschäftigt, dann empfehle ich Ihnen selber einen Blick zu riskieren, unter www.mydays.de können Sie Ihren Erlebnis- und Eventhorizont erweitern.
Das Filmteam aus München- bestehend aus Attila Teri, dem Kameramann Johann Goldfuß-Falke und seinem Assisten für Licht, Kamera und Ton Florian Ruppert- waren schon eine Stunde vor uns von München aus gestartet. Mit im Gepäck hatten sie massig Ausrüstungsmaterial für das Filmen meines MIG-25 Fluges und ich hoffte für sie, das sie am russischen Zoll keine Probleme bekommen würden.
Nach drei Stunden Flug setzte der Captain der Boeing 737 die Maschine auf dem mir nun mittlerweile sehr bekannten Flughafen Sheremetyevo 2 in Moskau auf. Eine halbe Stunde später standen wir bei den Einreiseformalitäten. Diese dauern etwas länger, bis die Beamten die Pässe und Visa kontrolliert haben. Ich habe schon erlebt, das gar nichts los war, an dem Abend war es mittelmäßig. Nachdem diese Sache vollzogen war und ich wieder im Besitz meines Gepäcks war, trat mir ein sehr guter Bekannter entgegen und grinste mich an: Igor Rudyaev vom GCTC, alter Freund und Weggefährte, lächelte mir entgegen, winkte und meinte zu mir: "The Film Team. They have problems!".
Unsere Befürchtungen waren wahr geworden. Die russischen Zollbeamten beäugten liebevoll die verschiedenen Kisten des Filmteams und somit war eine Wartezeit vorprogrammiert. Nachdem Fabrice und ich durch den Zoll waren suchte ich Igors Freund und rechte Hand Sergei. Er sollte irgendwo vor der Tür stehen. Nach erfolgloser Suche kam ich wieder zurück in die Halle und siehe da: gegen die Zahlung eines Betrages von 400 Euro für das Equipment des Filmteams waren sämtliche Probleme des russischen Zolls behoben worden. So schnell ging das also, und Fabrice und ich begrüßten das Team. Eine zwar etwas ‚genervte’ aber ausgelassene Drei-Mann-Gruppe gesellte sich zu uns,- Attila, Johann (genannt Hansi) und Florian (genannt Flo) wurden begrüßt.
Nachdem der Bus dann lokalisiert und unser Gepäck und Ausrüstung verstaut war, setzten wir uns in Richtung Star City in Bewegung und ich stellte fest, was es bedeutet wenn man sagt ‚Russischer Winter’. Die Strassen waren zwar alle frei, jedoch konnte man meterhohe Schneeverwehungen links und rechts der Strassen und Autobahnen sehen, hervorgerufen durch Schneepflüge, die sich in den letzten Tagen durch die verschneiten Straßen gefressen hatten.
Das Team fuhr im Bus, ich mit Igor. Mal war der Bus schneller, mal waren wir schneller und es begann sich in meinem Kopf zu realisieren, das nur noch einige Stunden Zeit waren, bevor ich mich meiner großen Herausforderung stellen würde. Bei all den Abenteuern, dem Sea Survival for Cosmonauts, Parabelflug und Zentrifugentest wurde mir zum ersten Mal richtig in dieser Minute bei Igor im Auto bewusst, das ich die wohl interessanteste Begegnung vor mir hatte: Der Flug mit einer MIG 25 mit Mach 3 in mehr als 25 Kilometer Höhe. Ich dachte so in der Dunkelheit darüber nach, jedoch verwickelte Igor mich schnell in ein Gespräch, und mein Flug geriet in den Hintergrund meiner Gedanken.
Nach einer Stunde durchfuhren wir den mir schon sehr bekannten Wald um Star City und wir fuhren in das Sternenstädtchen ein. Hier war der Begriff Winter noch mehr vorhanden als in Moskau, meterhohe Schneebarrikaden links und rechts der Strassen zeigten, dass das russische Wort für Wintersturm ‚Buran’ hier wohl absolut bedeutungsvoll war. Schnell war unser Gepäck und die Filmausrüstung im Profilaktorium verstaut, einem ‚Cosmonaut Guest House’. Hier wohnen die internationalen Crews vor einem Start oder während Ihres Trainings, oder auch nach ihrem Raumflug, um sich zu erholen. Nach westlichem Standard kann man sich hier sehr wohl fühlen. Im September letzten Jahres hatte ich mit Thomas Kraus vom German Space Shop im Profilaktorium gewohnt. Zu der Zeit hatte ich den Parabelflug kennengelernt, will heissen Schwerelosigkeit.
In der großen Gemeinschaftsküche fanden wir uns eine Stunde später bei einem typisch russischen Abendessen wieder und wir wurden durch Igor auf den nächsten Tag vorbereitet. Ein Briefing und Zeitplan erfolgte, und es war klar, das der nächste Tag sehr früh beginnen würde. Gegen 1 Uhr lösten wir die gemeinsame Runde (in der natürlich der Russische Vodka eine Rolle spielte) auf, da der Wecker am nächsten Morgen um 6 Uhr klingeln würde. So hatte ich also noch 10 Stunden, bis ich dem Dämon, von dem ich in Berichten von Piloten gehört hatte begegnen würde. Der Flug war für 11 Uhr morgens geplant, und ich schlief ganz schnell ein. Im Traum flog ich schon umher, aber die Realität würde mich alsbald eingeholt haben.