Die 5 Minuten vor dem Start

5 Minuten vor dem Start! Kurz danach konnte ich durch das Cockpitfenster beobachten, wie sich das Bodenpersonal von der MIG entfernte. Ich dachte kurz daran, dass sie sich in 'Sicherheit' brachten, verwarf diesen Gedanken jedoch schnell wieder. Wie gesagt, ich fühlte mich sicher. Ich war es hier mittlerweile gewöhnt, mich in die Obhut von Spezialisten zu begeben. Die Spezialisten des GCTC hatten mich in vergangener Zeit immer in Sicherheit wiegen lassen, genauso taten es die Techniker 'meiner' MIG 25 und Sasha, meinem Commander und Piloten. Hmmm, dachte ich, mein Commander während des Sea-Survival Trainings hieß auch Sasha. Manchmal gibt es Zufälle!

Dann, urplötzlich mit einem Ruck setzte Sasha die MIG in Bewegung. Langsam rollte Sie auf dem Runway entlang. Zuerst kriechend, ganz langsam. Ich schätzte mal mit max. 25 km/h. Wie in einer verkehrsberuhigten Zone in Deutschland dachte ich und ich hörte das Summen der Triebwerke. Von außen gehört entsprach es wahrscheinlich eher einem Kreischen, aber ich war ja nun mal nicht außen, sondern innen.

Sasha 'fuhr' seine, und nun auch meine russische Lady auf dem Vorfeld entlang, machte dann eine 90 Grad Kurve nach links und vor mir breitete sich die Startbahn aus. Die Sonne stand hinter uns und ich beobachtete die Außenwelt. Ich fühlte mich wie in einem Kokon. Sicher und behütet. Eine Larve in einem Kokon, die bald zu einem Schmetterling werden würde.

5 Minuten vor dem Start! Sasha 'spielte' mit den beiden Turbinen der Triebwerke. Das Geräusch der Triebwerke schwoll an, und ebbte wieder ab. Und dann sah ich plötzlich in dem kleinen LCD-Bildschirm der auf mich gerichteten Kamera ein Zeichen einer Batterie die durchgestrichen war. Bevor ich dies richtig wahrnehmen konnte, verschwand mein Kopf vom LCD-Display und die Kamera ging aus! „Ganz klasse“, dachte ich und überlegte kurz, ob ich selber versuchen sollte, sie wieder in Gang zu bringen. Das war mir dann jedoch nicht geheuer, weil Sasha mir via Interkom mitteilte, das wir gleich starten würden. Ich wollte seine Startvorbereitungen nicht unterbrechen und wollte es nicht riskieren, das er wegen dieser dämlichen Fehlfunktion den Start abbrechen musste, so das wir wieder zurückrollen würden. Ich dachte „Okay. Dafür hast Du die Handkamera ja schließlich“ und dankte Johann, das er so beharrlich neben dem Cockpit gestanden hatte und mir die Sony-Digi-Cam aufs Auge drückte.

Also war ich in kürzester Zeit zum 'Michael Ballhaus der MIG' befördert worden und schwenkte die Kamera von links nach rechts. Dann drehte ich sie herum und legte sie, mit der Linse auf mich zeigend, aufs rechte Knie und wartete auf den Start. Die Welt um mich herum erschien in einem anderen Licht. Die Sonne erhellte alles draußen und es war fast ein gleißendes Licht. Die Startbahn zeigte sich vor uns, jedoch konnte ich das Ende nicht sehen, da sie ungefähr 3 Kilometer lang war, wie ich später erfuhr.

5 Minuten vor dem Start! Wieder spielte Sasha mit den Turbinen und ich beobachtete die Anzeigen im Cockpit. Alles war im grünen Bereich, das Wetterradar vor mir blinkte auf einem grünen Schirm, doch es war keine Schlechtwetterfront im Umkreis von 150 Kilometern zu sehen oder zu erspähen.

Ich atmete tief ein und aus, der Sauerstoff meiner Maske berieselte meine Lungen bei jedem Einatmen. Es war ein sehr angenehmes Gefühl.

Nachdem ich dann dachte, wir würden niemals fliegen, setzte sich die MIG urplötzlich in Bewegung. Ich hörte, wie Sasha die Nachbrenner zündete und wir nahmen unglaublich schnell Fahrt auf. Der Geschwindigkeitsmesser ‚über Grund’ zeigte an, das sich die MIG binnen Sekunden umgerechnet auf 380 Kilometer beschleunigte und ich dachte an Michael Schumachers Ferrari. Und mit den Gedanken an Ferrari noch im Kopf, bemerkte ich wie die Nase nach oben stieg und binnen 5 Sekunden waren wir in der Luft, so schnell, das ich wirklich aus dem linken Fenster blicken musste und sah, das die Landebahn unter mir daherjagte. Ein Rumpeln war kurz zu hören, Sasha fuhr das Fahrwerk ein und ich flog tatsächlich. Meinem Ziel entgegen, welches ich bis dato nur in meinen Gedanken und Träumen erahnen konnte ... .

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