Vorbereitungen

Wochen vor dem bestätigten Flug setze ich mich mit dem Thema "Überschallflüge und Auswirkungen" auseinander. Ich durchforstete das Internet nach Informationen und sog die Dinge in mich auf, versuchte einige Dinge in meinen Kopf hineinzubekommen, die sich auf dem Monitor zeigten. Begriffe wie "G-Kraft" und "Tunneleffekt" waren mir nicht fremd. Sollten mir diese Effekte nun auch begegnen, oder war die heutige Technik soweit ausgedehnt, das dieser Flug mit einer MIG 25 ‚Foxbat’ mit einer Leichtigkeit vorüber gehen sollte und der Flug sich dadurch darstellen würde, nur das Erleben des Anblicks der Erde aus großer Höhe möglich machte?

Blue Angles im Formationsflug Einige wenige Normalsterbliche, dass heißt weder Testpiloten noch Piloten, hatten solche Flüge bereits hinter sich gebracht. Ich sah Filme im Internet, und las deren Erfahrungsberichte. Ich dankte dem Erfinder des Internets, das es heute möglich war nach einer kurzen Recherche die nötigen Daten auf dem Schirm zu haben. Unvorstellbar noch vor einigen Jahren, breitete sich unter mir das Wissen der Menschheit zum Thema "Fliegen" aus.

Noch vor einigen Jahren hätte ich nie zu träumen gewagt, einmal selber in einer Maschine zu sitzen und in Richtung Himmel davon zu jagen. Nachts träumte ich vom Fliegen und es entwickelte sich in meinem Kopf die Vorstellung, das dieser Traum auch bald Realität werden würde, und so vergingen die Tage am Anfang des Jahres. Anfang Februar wurde die Geschichte schon etwas mehr im Bekannten und Familienkreis erzählt, das ich mich aufmachen wollte, um mit der MIG 25 den Himmel über Russland unsicher zu machen, und schnell war klar, das ich nicht alleine auf diese Reise gehen würde. Ich lernte Fabrice Schmidt kennen, Geschäftsführer der Firma mydays aus Frankfurt und verstand mich sehr schnell mit ihm. Ohne ihn wäre diese absolute Grenzerfahrung nicht möglich geworden.

Boom Operator bei der Arbeit Schnell war auch klar, das ein Fernsehteam von Janus TV aus München mit von der Partie sein würde, die für PRO 7 eine neue Produktion planten und diesen Flug auf Video bannen würden. Ich lernte Attila Teri kennen, und die ersten Worte von ihm waren: "Mann, was bin ich im Stress!" Wir unterhielten uns lange über den bevorstehenden Flug und er übersandte mir Videomaterial von Reportagen, die er in den Jahren zuvor gedreht hatte für verschiedene Formate der PRO 7 Gruppe. Ein besonderes Video erregte dabei meine erhöhte Aufmerksamkeit: Boom Operators.

Hmm, haben Sie noch nie gehört? Ich bis dahin auch nicht. Aber Sie kennen bestimmt die Tatsache, das Flugzeuge am Himmel durch andere Tankflugzeuge aufgetankt werden können. Und diese Betankung hatte Attila auf Video gebannt, in einem ersten Team von Nichtamerikanern an Bord von US-amerikanischen Flugzeugen. Er und sein Team durfte diese Betankung mit allen Dingen filmen. Ein "Boom Operator" ist der Mann, der ganz hinten im Tankflugzeug den ‚Rüssel’ steuert und die Betankung der anderen Flugzeuge durchführt. Dabei liegt er auf dem Bauch und schaut aus einem Fenster, unter und hinter dem Tankflugzeug rasen die anderen Flugzeuge. Als ich diese Bilder sah, wusste ich, dass das Glück mir hold war und Attila genau der Richtige war, um dieses Thema eines ‚Edge of Space Flight´s’ (Kante des Universums) auf Video zu bannen.

Diese Bilder behielt ich im Kopf und sog weiter Informationen in mich auf, was ich in Bezug aufs Jetfliegen finden konnte. Ich schaute mir sehr viele Flugvideos an um ein Gefühl zu bekommen für diesen Flug. Unter anderem auch ein Trainingsvideo der Kunstfliegerstaffel der US-Navy, den ‚Blue Angels‘. Als ich diese haarsträubenden Kunstflugmanöver sah, stockte mir der Atem und ich war froh, das ich ‚nur’ auf einen ‚High Altitude-Flight’ gehen sollte, der mit Kunstflug nicht zu vergleichen wäre. Das ich mit dieser Annahme wohl falsch gelegen habe, können Sie sich ja wohl vorstellen.

Und so rückte der Tag des Abflugs immer näher und ich fieberte dem Flug entgegen. Fragen Sie mich nun, was ich fühlte, kann ich ihnen keine genaue Antwort geben, aber zu diesem "fühlen" komme ich später noch.

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