Wiederkehr
Die Geschwindigkeit verringerte sich, und es wurde zu einem sanften Fahren auf der Rollbahn. Ich wunderte mich, das sie so gut gefedert war und man kaum etwas spürte. Ich hatte schon grosse Verkehrsjets erlebt, die mehr mit der Fahrbahn verheiratet schienen als ich in meinem Leben. Die MIG fuhr geradeaus auf den Punkt zu, wo wir 40 Minuten oder so vorher gestartet waren.
Ich bemerkte, dass das Vorfeld mit unserem Bus und dem Bodenpersonal immer näher kam, aus Strichen und irgendwie mit dem Umfeld verwachsenen Dingen wurde unser Bus und das Team. Sasha lenkte die MIG nach rechts, ich konnte durch das Cockpit Attila und Florian sehen, die mit kleinen Handkameras meine Ankunft festhielten. Ich überlegte, wo Johann stecken würde, konnte mir aber vorstellen, das er weit draußen neben der Landebahn mit der großen Digi-Beta gestanden hatte um den Überflug als auch die Landung in Grossaufnahme auf Tape zu bannen.
Nach 100 Metern machte Sasha wiederum eine Kehrtwende und er brachte die Maschine auf den Punkt genau dort zum stehen, von wo aus wir losgerollt waren. Die Turbinen starben ab und das Geräusch, welches mich die letzten 40 Minuten begleitet hatte verstummte.
Ich bekam irgendwie ehrlich gesagt kaum was von dem mit, was sich nun um mich ereignete. Die gelbe Leiter wurde wieder herangeschoben, und ganz schnell hatte man mein Cockpit geöffnet. Kalte Luft umfing mein Gesicht, dort wo es vom Helm und von der Sauerstoffmaske nicht erfasst werden konnte. Ich lies die Sauerstoffmaske vom Helm abfallen, mit einem geübten Handgriff und schneller als erwartet stand ich im Cockpit aufrecht. Und das ohne zu zittern. Später sagte man mir, ich hätte nur noch gegrinst.
Ich stieg die Leiter hinab und nach wenigen Metern hatte ich wieder festen Boden unter den Füssen. Ich versäumte es jedoch nicht, beim Absteigen aus dem Cockpit mit der rechten Hand noch über die Außenhaut der MIG zu streichen und mich zu bedanken. "Danke für diesen Ritt", sagte ich, wenn nicht sogar, laut. Sie antwortete in Gedanken „Danke Dir für diesen Ritt, Du warst ein angenehmer Passagier. Bis zum nächsten Mal, Andreas“.
Kaum hatte ich mich einige Meter bewegt, stand auch schon Sasha neben mir. Ich umarmte ihn und bedankte mich bei ihm.
"That was, as you have said before, the greatest experience of my life! Thank you very much for this!"
Seine dunklen Augen spiegelten mir Zufriedenheit entgegen und er meinte kurz "You are always welcome back!".
Sofort stürmte Attila und Flo auf mich ein und ich musste sofort live vor laufender Kamera wiedergeben, was ich nun empfinden würde. Ich kann Ihnen bis heute nicht sagen, was ich gesagt habe. Ich muss selber auf den Moment warten, bis ich die Filmaufnahmen komplett sehen werde, bevor sie im April oder Mai diesen Jahres in PRO 7 zusehen sind. Selbstverständlich werde ich Ihnen diesen Termin hier mitteilen, damit Sie selber nicht nur hier im Internet mit Bildern und meinen Erzählungen diesen Flug verfolgen können, sondern auch im TV, ins besondere mit den Bildern, die ich teilweise unter der Belastung von 4.5 G mit der Handkamera machte. Für einen Moment lang fühlte ich mich als 'Herr über die Welt' und 'Herr über die Gefühle'. Am liebsten hätte ich kehrt gemacht und wäre wieder in das Cockpit geklettert mit Sasha, um den Flug noch mal zu machen.
Sicherlich ging das in diesem Moment nicht. Aber irgendwann vielleicht einmal.