On the top of the World

Der Blick von oben Fast viermal so hoch wie der Mount Everest! Der höchste Berg der Welt ist 8.848 Meter hoch, fiel mir ein. Ab 7.000 Meter beginnt die 'Todeszone', der Bereich, wo es einem Menschen fast unmöglich wird, ohne Sauerstoffzufuhr zu atmen. Und ich befand mich über vier mal so hoch wie die Todeszone. 32.000 Meter oder 96.000 Fuß. Von hier bis zum absoluten Höhenrekord der MIG waren es nur noch 5.800 Meter! Von hier bis zur Bahn zur Internationalen Raumstation waren es nur noch ca. 350 Kilometer! Na, wenn das keine Entfernung war.

"Welcome on the top of the world!" meinte Sasha via Interkom. "It´s the first time, that an normal passenger since our program was started, has reached this altitude. It depends on the weather conditions, you know. In winter we have better conditions. Now, we will stay here for two minutes, than we will begin with descent!"

Mir blieb zunächst das Wort "Thanks" im Halse stecken, so überwältigt war ich. Ich filmte diesen Moment mit der Handkamera und schloss mein Schutzvisier. Es war hell hier oben. Die Sonne erhellte den Planeten unter mir. Ich musste tatsächlich darüber nachdenken, das dies der Planet war, auf dem wir wohnten. On the Top of the World! Mir schossen Gedanken durch den Kopf. Was nun meine Freundin Astrid wohl machte in diesem Moment, was meine Freunde machten in Deutschland. Wahrscheinlich gingen sie ihren normalen Tagesgeschäften nach wie jeden Tag und dachten vielleicht an mich, der nun mit 3.600 Stundenkilometern durch den Himmel über Russland pflügte und seinem Ziel wieder einen Schritt näher gekommen war.

"Die Erde ist über mir, die Sterne unter mir" lautet ein Spruch des deutschen Astronauten Rheinhold Furrer, der mit der Spacelab D-2 Mission in den 80er Jahren im All war. Die Angaben trafen zwar auf meine derzeitige Situation nicht zu, jedoch war sie artverwandt. Ich blickte aus dem Fenster, der Himmel über mir zeigte schon fast eine absolute Schwärze.

Ich war mir sicher: ich hatte meinen Dämon gefunden. Ich hatte ihn nicht besiegt, sondern nur vertrieben. Hier oben ‚on the top of the world’ zu fliegen war ein berauschendes Gefühl. Ich musste daran denken, wie viele Menschen außer Sasha und mir sich wohl jetzt in solchen Höhen aufhalten würden. Und ich kam nur auf zwei, die noch weiter oben ihre Bahnen zogen, den russischen Commander Sasha Kaleri und seinen amerikanischen Kollegen Michael Foale, beide bildeten sie die Besatzung der ISS-8 Expedition Crew, die seit Ende Oktober 2003 als achte Stammbesatzung auf der Internationalen Raumstation ISS lebten. Nur 350 Km höher: Die ISS Ich dachte an meinen Freund Yuri Malenchenko, der ein halbes Jahr zuvor die Erde umkreist hatte als Commander der ISS Expedition 7 Crew und an meinen Zimmergenossen in Sochi, Edward T. Lu, der ebenfalls mit Yuri 6 Monate zusammen im All verbracht hatte. Ich hatte ihn damals gefragt, was denn das Beste gewesen wäre, was er da oben genossen hätte im All als er in einem Raumanzug die Erde umflog. "The view" hatte er kurz und knapp geantwortet und dabei gelächelt.

Damals hätte ich es noch nicht einmal im Entferntesten gewagt davon zu träumen, selber einmal die Erde von soweit oben zu sehen. Gut, so hoch oben wie die Besatzungen der Raumschiffe und Raumstationen war ich nicht, aber für mich gab es in diesem Moment kein Gefühl von ‚noch höher hinaus‘. Ich war sehr hoch gekommen, wie es die Technik möglich machte.

In diesem Moment, ehrlich gesagt, erfasste mich das Gefühl das ich es tatsächlich schaffen werde, diesen Weg weiter zu gehen um mein Ziel, im April 2006 auf der Spitze einer russischen Soyuz-Rakete in Richtung Umlaufbahn zu starten. In den beiden Minuten war ich meinem Ziel so nah wie noch nie zuvor. Alle Kosmonauten-Trainings, die ich bisher genossen hatte, waren Schritte auf dem Weg hierher. Um diesen Flug zu erleben muss man natürlich nicht einen Traum inne haben, zu den Sternen fliegen zu können. Die Erde aus 32 Km Höhe! Ich bin mir nicht sicher, ob Sasha einmal diesen Traum hatte, ich habe ihn leider vergessen zu fragen.

In Gedanken verloren in den grössten Höhen, jagte ich dort oben meinem Schicksal entgegen. Der Geschichte "Flyin so high", die Sie auch auf diesen Seiten lesen können, habe ich als DVD-Titel gegeben: My Destiny - Space.

Und genauso ist es auch. Mein Schicksal liegt irgendwo da draußen, und es wird der Tag kommen, da werde ich meinem Schicksal begegnen. Und dieses Gefühl werde ich tief in mich aufsaugen und anschließend berichten, so - das jeder an diesem Gefühl teilhaben kann.

Wie gebannt schwankte mein Blick vom Höhenmesser hinaus aus dem Cockpit. Alle Kameras funktionierten außer der einen, die ausgefallen war. Keiner hatte überprüft, ob die Kameras in diesen Höhen funktionierten. Ich schickte in diesem Moment ein Stossgebet in Richtung Japan zu den Ingenieuren zu Sony und hoffte, das die Jungs ihre Arbeit richtig getan hatten.

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