Der Tag vorher – 11.09.2001

Der Tag begann eigentlich friedlich wie immer. Nachdem ich die restlichen Dinge zur Reise nach Russland geklärt habe und Dollars und Reiseschecks mein Eigen nennen kann, muss ich mir noch die Haare schneiden. Ich denke, als ich mir mein Spiegelbild betrachte, dass es besser ist, mit kurzen Haaren nach Russland zu fahren, da ich gehört habe, dass der Sokol-Raumanzug nicht einfach anzuziehen ist. Ich stehe im Badezimmer und schneide mir mittels einem Haarrasierers die Haare, als ich höre, das meine Freundin Astrid nach Hause kommt und ins Wohnzimmer stürzt.

Mein erster Gedanke ist: Komisch, sie macht das TV an, die US-Open sind doch seit Montag vorbei. Ich frage nach und höre, das ein Flugzeug in das World-Trade Center geflogen ist... Sofort lasse ich das Haareschneiden sein und stürze ins Wohnzimmer und sehe das Desaster und meine Mission droht zu scheitern.

Ich weine als ich die Leute sehe. Ich schreie auf als ich sehe, wie die zweite Maschine in den anderen Tower stürzt und mir wird klar: Das ist kein Zufall. Es kann nicht sein. Die Terroranschläge in den USA lassen mich verzweifeln, lassen meine lang vorbereitete Mission wie ein Witz erscheinen. Ich habe Wut, Angst. Ich denke, das kann nicht sein. Und Du fliegst morgen nach Russland?

Geht nicht. Unmöglich. Nachmittags dann drei Stunden Beratung mit meinem Begleiter Michael Schultz und Walter Drasl von PRO TOURA. Wir denken nach. Wir diskutieren. Alle sind geschockt.

Am Ende überlässt man es mir zu fliegen oder nicht. Was bringt es uns, wenn Michael und ich nicht fliegen? Die Erde wird sich weiter drehen und wir denken in die Zukunft. Es wäre fatal, sich nun eine Chance des Lebens zu verbittern. Also sage ich nach drei Stunden: Okay. Ich werde fliegen und hoffe nur bei mir, das ich in eine normale Welt zurückkehren kann.